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Zoigl-Bierkult aus der Oberpfalz

Was ist der Zoigl?

ZOIGL - Relikt einer jahrhunderte langen Tradition, aber beliebter denn je.

Das Zoiglbier ist ein ungefiltertes, untergäriges Bier, das nach althergebrachter Weise nach dem Bayerischen Reinheitsgebot nur mit bestem Hopfen, Wasser und Malz hell oder dunkel gebraut wird. In der offenen Sudpfanne über einem Holzfeuer wird die Maische - ein Gemisch aus Wasser und Gerstenmalz- zuerst gekocht, dann gehopft und so als Würze noch einmal erhitzt. Danach fahren die Wirte ihr Gebräu heim, versetzen es mit Hefe und lassen es mehrere Wochen reifen. Nach etwa 10 Tagen Gärungszeit wird das Zoiglbier in Fässer abgefüllt, in denen es noch mehrere Wochen ausreifen muss. Obwohl immer das gleiche Brauverfahren angewandt wird, schmeckt jeder Zoigl anders, den jeder Brauer hat sein eigenes Rezept, mit dem das Verhältnis der Zutaten bestimmt wird. Doch sogar bei ein und demselben Zoiglwirt kann es von mal zu mal Unterschiede geben. Lassen Sie sich überraschen.

Der Zoigl wird vor allem in der nördlichen Oberpfalz von Privatpersonen gebraut. Das Braurecht liegt seit Generationen auf Häusern bzw. Anwesen und ist im Grundbuch festgehalten. Es konnten also ursprünglich nur die Besitzer dieser Häuser brauen. Mittlerweile kann praktisch jeder Interessierte brauen. Früher waren es 75 Kommunen in der Oberpfalz, in denen die alte Tradition des Zoigl-Brauens gepflegt wurde. Heute sind es nur noch fünf Orte, in denen eine "Gemeinschaft Brauender Bürger" das süffige Zoiglbier im Kommunbrauhaus braut. In Neuhaus, Windischeschenbach, Mitterteich, Falkenberg und Eslarn. Die Kommunbrauhäuser werden zumeist von den "Brauenden Bürgern" finanziert und erhalten. Dafür muss jedes Mitglied in diesem vereinsähnlichen Zusammenschluss das sog. "Kesselgeld", eine Art Mitgliedsbeitrag zahlen. Der Hopfen kommt meist aus der Hallertau, das Malz aus Mälzereien aus der Region. Das Recht zu Brauen und zu Schenken ist im Grundbuch verankert, bleibt auf dem Haus und wird mit diesem vererbt bzw. veräußert.

Neben den genannten fünf Orten existieren mittlerweile noch diverse Gaststätten, die Zoiglbier permanent oder zeitweise im Sortiment haben. Diese haben mit der Zoigltradition im engeren Sinne nichts gemein, da ganzjährig geöffnet ist und der Zoiglausschank nur einen Teilbereich des eigentlichen Gastonomie-Angebots umfasst.

Sechszackiger Stern (Zoiglstern) zeigt Schankstätten an

Der Stern - Zeichen des Bieres/Brauhandwerks und Wegweiser/Anzeiger.

An Orten an denen der Zoigl geschenkt wird, wird dies mit zwei gleichschenkligen Dreiecken, die zum einen die drei Zutaten - Hopfen, Malz und Wasser - und zum anderen die drei Elemente, die es zum Brauen braucht - Wasser, Feuer, Luft - symbolisieren und sich zu einem Sechszack vereinigen. Wenn Sie in den genannten Orten den Zoiglstern an einem Hausgiebel oder über einer Tür hängen sehen, können Sie sicher sein: Hier gibt es Zoigl, deftige Brotzeit und eine urgemütliche Atmosphäre! Der Stern dient also einerseits als Zeichen des Bieres und des Brauhandwerks, und andererseits auch als eine Art Wegweiser und Anzeiger: Hier wird frisches Zoiglbier gezapft!

Wie Sie an den Beispielen sehen können, sieht der Zoiglstern aus wie der Davidsstern. Beide stammen wohl vom selben Ursymbol ab, ihre Bedeutungen aber haben sich geschichtlich völlig getrennt voneinander entwickelt. Betrachtet am die Entwicklung zum Brau-, Bier-, bzw. Zoiglstern, so ist es aus der Geschichte ersichtlich, dass der Stern in seiner Bedeutung als Handwerkszeichen schon seit dem Mittelalter verwendet wird. Es gibt auch Hinweise, dass das Wort "Zoigl" vom Stern abstammt. In seiner Funktion als Zeiger - "Hier gibt`s Bier" - hat sich der "Zeiger" wohl mundartlich zum "Zeigel" und dann zum "Zoigl" entwickelt. Manche Einheimische sagen auch heute noch: "Geh`n ma am Zeigel!". Gebräuchlich sind aber auch andere Symbole wie ein Reisigbesen oder ein Bierfass. Lust und Durst bekommen? Dann nichts wie hin und Prost! Wir sehen uns "am Zoigl"!

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Qualitätssiegel für echten nordoberpfälzer Zoigl

Neu kreiertes Qualitätssiegel für den süffigen, selbst hergestellten Zoigl

Im Gegensatz zum rückläufigen bundesweiten Bierabsatz läuft der Oberpfälzer Zoigl in Strömen durch die durstigen Kehlen. Brauereien haben das Erfolgsgetränk schon in ihr Getränke-Sortiment aufgenommen und es gibt kaum noch Lokale, in denen nicht der untergärige und ungefilterte Gerstensaft ausgeschenkt wird.

Um nicht von der Zoigl-Welle weggespült zu werden, haben sich Oberpfälzer Kommunbrauzoiglwirte zusammengeschlossen. Sie werben gemeinsam mit einem neu kreierten Qualitätssiegel für ihren süffigen, selbst hergestellten Gerstensaft.

"Wir wollen verhindern, dass die Zoigltradition verwässert wird", betont Zoigl-Wirt Reinhard Fütterer vom Neuhauser Schafferhof. Zusammen mit dem Chef der Altneihauser Feierwehrkapelln, Norbert Neugirg, hatte er die Markenzeichen-ldee entwickelt und in die Tat umgesetzt. Das war gar nicht so einfach.

Fütterer versuchte zunächst im Alleingang die 15 Wirte des Zoiglzentrums Windischeschenbach/Neuhaus ins Boot zu holen. Mit zunächst nicht wirklich durchschlagendem Erfolg. Als der Schafferhof-Wirt Neugirg ür die Qualitässiegel-ldee gewinnen konnte, kam das Boot besser in Fahrt. Die Regensburger Designerin Norma Desing wurde beauftragt ein Logo zu entwickeln, das allen Zoiglwirten aus den fünf Zoiglgemeinden Neuhaus, Windischeschenbach, Falkenberg, Eslarn und Mitterteich vorgestellt wurde.

"Echter Zoigl vom Kommunbrauer"
lautet der kreierte Slogan, von dem die Wirte auf Anhieb angetan waren. Norma Desing hat bei ihrem Entwurf auf die "Bierfarben", Gold und Gelb zurückgegriffen. Das Zoigl-"Z" hat sie geschickt in den Zoiglstern eingebaut.

Entscheidende Kriterien für das Qualitätssiegel:
Zum einen muss der Gerstensaft im Kommunbrauhaus herstellt werden, zum zweiten muss das Bier in dem Ort, an dem sich die Braustätte befindet, vom Brauer selbst ausschenkt werden. Neugirg bezeichnete die Zoiglwirte als Bewahrerer einer über 500 Jahre alten Tradition, "auf die sie stolz sein können". Bereits im 16. Jahrhundert tauchte zum ersten Mal der Begriff des Zoigl auf. Den Bürgern wurde das Recht zum Brauen -das Neuhauser Braurecht geht bis in das Jahr 1415 zurück- eingeräumt, damit sie sich auch das damals noch als Luxusgetränk gehandelte Bier schmecken lassen konnten. Obwohl immer das gleiche Brauverfahren angewendet wird, schmeckt jeder Zoigl ein bisserl anders. Das liegt nun wiederum an den unterschiedlichen, geheim gehaltenen Rezepturen der Brauer.

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